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Ankündigung: Vorlesung Legal Tech

Im kommenden Sommersemester wird Prof. Dr. Axel Adrian folgende Vorlesung anbieten:

Legal Tech – Von der juristischen Methodenlehre zur Computerwissenschaft

Die vollständige Ankündigung der Vorlesung finden sie unter folgendem Link: Ankündigung

 

Ziel 

 

In den nächsten Jahren wird die Digitalisierung unser Leben erheblich verändern. Dies gilt auch für den Berufsalltag der Juristen und der in der Rechtsberatungsbranche arbeitenden Menschen. Seit 2015 ist Legal-Tech daher auch in Deutschland in aller Munde.

 

Was ist dran an Legal-Tech? Was ist derzeit tatsächlich technisch schon möglich und was ist mehr dem Marketing geschuldet? Was wird in Kanzleien schon praktiziert? Welche Tätigkeiten werden von künftigen Juristen erwartet? Was können heutige Studenten dafür tun? Werden künftig Computerwissenschaftler verstärkt Rechtsberatung übernehmen? Wird am Ende ein Richterautomat Fälle entscheiden? Sind Arbeitsplätze in Gefahr?

 

Manche behaupten, so wie man früher eine Fremdsprache erlernen musste, so sollte man sich heute eine Zusatzqualifikation für die digitalisierte Welt erwerben. Wer sich mit Legal-Tech befasst, wird also jedenfalls künftig bessere Berufschancen haben. Großkanzleien goutieren bereits Erfahrungen mit bestimmten Tools, wann werden sie diese voraussetzen? Der Legal-Tech Markt wird auch in den nächsten Jahren stark wachsen.

 

Die Vorlesung hat zum Ziel „Lust auf mehr“ zu machen und sowohl technisch Interessierten Einblick in das juristische Denken und in juristische Prozesse zu geben, sowie umgekehrt juristisch Interessierte neugierig auf Legal-Tech-Tools und computerwissenschaftliche Überlegungen zu machen, bzw. dem „typischen“ Juristen die Scheu vor formaler Logik, Mathematik und Programmierung zu nehmen.

 

Es besteht die Möglichkeit, einen Schein über 3 ECTS zu erhalten, sobald eine mindestens achtmalige Teilnahme (Anwesenheitsliste) und drei Protokolle oder ein Essay über ein vorgegebenes Thema vorgewiesen werden können.

 

Teilnehmer

 

Die Vorlesung richtet sich an Studierende verschiedener Fachrichtungen, z.B. Juristen, Informatiker, Computerlinguisten, Philosophen, steht aber auch sonst Interessierten offen.

Die Darstellung der Inhalte soll so einfach wie möglich erfolgen, so dass spezielle Vorkenntnisse in den betroffenen Fachrichtungen, wie z.B. in der Rechtswissenschaft, der juristischen Methodenlehre, der Logik, der Computerwissenschaft, der Wissenschaftstheorie, oder der Philosophie nicht erwartet werden. Ein interdisziplinärer Austausch wäre wünschenswert, auch in dem Bewusstsein, dass verschiedene Disziplinen verschiedene Sprachen sprechen und sich nur schwer verstehen.

 

Aus dem Inhalt

 

Die Vorlesung umfasst inhaltlich drei verschiedene Themenblöcke und drei Gastreferate. Zunächst wird ein umfassender Überblick über das Thema Legal-Tech (Praxis) gegeben. Dann wird das Juristische Denken, ausgehend von der einfachen Falllösungstechnik, über die juristische Methodenlehre und Wissenschaftstheorie, mit Bezügen zur Sprachphilosophie dargestellt (Recht). Anschließend erfolgt eine kurze Einführung in die Grundlagen von Logik und Programmierung (Technik). In den letzten Doppelstunden kommen Gastreferenten zu Wort.

 

Im Termin, am 27.6.2019, hält Herr Rechtsanwalt Martin Kurtzevon der Siemens AGeinen Vortrag zum Thema „Legal-Tech-Tools auf dem Weg in den Berufsalltag der Rechtsabteilung“, und wird dabei sehr anschaulich die Auswirkungen auf typische Tätigkeiten wie Vertragserstellung und Vertragsprüfung darstellen.

Im Termin, am 4.7.2019, hält Herr Rechtsanwalt Tom Brägelmann, Anwalt bei BBLBernsau Brockdorff & Partner Rechtsanwälte PartGmbB (und ehemals General Counsel von Leverton) einen Vortrag zu den Herausforderungen von Künstlicher Intelligenz und Jura.

Schließlich erläutert im Termin, am 11.7.2019, Herr Felix Friedmannmit Kollegen von der Autonomous Intelligent Driving GmbH, einer Tochter der Audi AG die autonome Fahrzeuge entwickelt, u.a. wie selbstfahrende Autos künftig Verkehrs-/ und Rechtsregeln erlernen und anwenden können.

 

Aus dem Inhalt der Vorlesung sei beispielhaft genannt:

 

  • Einführung in die Welt von Legal-Tech
  • Möglichkeiten und Grenzen der Digitalisierung der juristischen Prozesse und des juristischen Denkens insbesondere in der Praxis von Anwalt und Notar
  • Vorstellung verschiedener Methoden von Legal-Tech-Tools und Überblick über Entwicklungen in USA, UK und Deutschland
  • Erläuterung konkreter Tools, wie z.B. Kira, contractorcheck, Litax, usableprivacypolicy, Diskussion der Blockchaintechnologie am Beispiel des deutschen Grundbuches
  • Möglichkeiten und Grenzen von KI-Systemen und die Utopie eines Richterautomaten
  • Die klassische Technik der juristischen Falllösung/Klausurbearbeitung
  • Das juristische Denken nach der klassischen juristischen Methodenlehre
  • Grundprobleme jeder juristischen Methodenlehre
  • Sprachphilosophische und wissenschaftstheoretische Herausforderungen
  • Uneinheitliche Vorstellungen von juristischem Denken nach dem linguistic turn
  • Einfache Erläuterung der Grundlagen der Logik (Syllogistik, Klassenlogik, Aussagenlogik und Prädikatenlogik erster Stufe, Hinweise auf mehrwertige Logik, Fuzzy-Logik, Quantenlogik, Deontische Logik) mit Bezügen zur Rechtslogik
  • Grenzen der Logik (Fluch der Dimensionalität und Unvollständigkeitssätze)
  • Erste Schritte zur Programmierung in Java
  • Triviale automatisierte Prüfung eines Anspruches nach § 985 BGB mit Java
  • Das Problem der Formalisierung von juristischer Sprache und juristischen Prozessen
  • Die Vision eines (non supervised ML KI) Richterautomaten

 

Zeit/Ort/Fragen

Die Vorlesung findet donnerstags von 16.00 – 18.00 Uhr in JDC R 1.281 – Seminarraum Juridicum– Schillerstrasse 1 in 91054 Erlangen statt. (1. Termin: 11.4.2019; keine Veranstaltungen in den Oster-und Pfingstferien 18./25.4/13.6 und an Feiertagen 30.5, 20.6).

Für weitere Fragen stehe ich gerne zu Verfügung: Notar Dr. Axel Adrian, Königstraße 21 90402 Nürnberg, Tel. 0911/23086-0, E-Mail: aa@notare-adrian-kroier.de